Biblische Impulse

Christliche Erziehung hat die Bibel zur Grundlage. Die Texte darin sind in unterschiedlichen Situationen und Epochen geschrieben. Das gilt es zu berücksichtigen. Einerseits sind sie hochaktuell und vieles ist vergleichbar, aber eben nicht alles.

In der Bibel finden wir drei Aspekte, die für christliche Erziehung in besonderer Weise interessant sind:

1. Gott als vorbildlicher Erzieher: Gott ist unser liebevoller Vater, dem wir als Eltern nacheifern. Im Alten Testament wird das Volk Israel in 2. Mose 4,22 als „Gottes erstgeborener Sohn“ bezeichnet. Gott hat also Kinder. Im Neuen Testament ist dann gleich von einem Volk Gottes die Sprache, das aus Kindern Gottes besteht. Gott weiß, was es heißt, Kinder zu erziehen. Das Tröstliche: Auch Gottes Kinder gehen oft ihre eigenen Wege. Folglich ist selbst die perfekteste Erziehung ganz offensichtlich kein Garant für die gute Entwicklung der Kinder.

2. Biblische Vorbilder: Die Bibel erzählt von vielen Eltern, die erzogen haben. Die Glaubensväter und -mütter sind uns Vorbilder. Oft scheitern sie aber auch kläglich und machen gravierende Fehler. Da gibt es Geschichten von Israel, Noah oder David. Nicht alle haben Kinder, die unseren Vorstellungen entsprechen. Gerade davon können wir aber auch lernen.

3. Explizite Aussagen: Es gibt Aussagen in der Bibel, die wir einordnen müssen. Wir leben in einer anderen Zeit und Kultur und doch können wir dadurch nicht alles relativieren. Darum suchen wir Verbindungslinien, um die Bedeutung für uns heute zu erkennen. Aussagen werden nicht blind herausgepickt und übernommen, haben aber dennoch einen Anspruch an uns.

Der Kern christlichen Glaubens ist und bleibt die Person Jesus Christus. Insofern ist jegliche Auslegung darauf zu prüfen, ob sie christusgemäß ist und ihm entspricht.

Gott als vorbildlicher Erzieher

Die Bibel zeigt Gott als fürsorglichen Vater, der seine Kinder mit viel Liebe und Geduld erzieht. Gleichzeitig verfolgt er klare Ziele. Sein Vorbild dient als Leitfaden für unser Handeln als Eltern, und wir können von Gottes Erziehung lernen. Im Neuen Testament ist insbesondere Jesus Christus das Vorbild christlicher Erziehung.
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Im Alten Testament sehen wir, wie Gott sein Volk erzieht (2. Mose 4,22). Oft taucht in Bezug auf Gottes Handeln das Wort Zucht auf, was mit Erziehung übersetzt werden kann. Die Perspektive ist eher gemeinschaftlich. Entscheidungen werden in Familien, Gruppen oder als Volk getroffen. Gott erzieht darum oft stellvertretend für das Volk ihre Vertreter, wie die Priester oder Könige. Manchmal spürt aber auch das Volk die Konsequenzen des eigenen Handelns. Wenn Gott als Erzieher in den Blick kommt, ist die Geschichte des Volkes über Generationen hinweg interessant. Es geht um seine Warnungen, wie er Konsequenzen aufzeigt, Erfahrungen die sein Volk macht und wie er es wieder zurückholt.

Für Christen ist Jesus das große Vorbild. Im Neuen Testament ist es darum interessant zu sehen, wie Jesus seine geistlichen Kinder, die Jünger, erzieht. Drei Jahre seines Lebens teilt er mit ihnen, um ihnen nicht nur Wahrheiten zu vermitteln, sondern ihnen praktisch vieles zeigt. Wir können aber auch betrachten, wie Gott mit seinen Kindern umgeht. Wir betrachten dabei nicht die „Fremden“, die Schriftgelehrten, Pharisäer oder Sadduzäer, sondern diejenigen, die Jesus als ihren Herrn angenommen haben und somit Gottes Kinder sind1.

Andere Gruppen oder Nationen sind auch Gottes geliebte Geschöpfe. Sie spüren Gottes Handeln. Es ist aber nicht hilfreich, hier nach Tipps für die eigene Erziehung zu suchen. In der Bibel kommen sie eher als die „anderen“ in den Blick. Die Perspektive ist vergleichbar mit einer Mutter, die von den „anderen Kindern“ auf dem Spielplatz erzählt, mit denen ihr Kind gespielt hat. Gott geht auch mit den „anderen“ einen Weg. In den Geschichten der Bibel, werden sie jedoch nur am Rande erwähnt und die Hintergründe oft nicht überliefert. Wenn man von Gott als Erzieher lernen will, ist es darum sinnvoller, sich auf die besondere Beziehung zwischen Gott und „seinem“ Volk oder Gott und „seinen“ Kindern zu konzentrieren.

Biblische Vorbilder

In der Bibel finden wir Beispiele für elterliche Erziehung. Es gibt spannende Dynamiken in den Familien von Adam und Eva, bei den Kindern von Abraham und Sarah oder bei Jakob und seinen Frauen. Auch aus den Familien von König David, Josef und Maria lassen sich Einblicke in familiäre Beziehungen und Erziehung zu gewinnen. Und die perfekte christliche Familie nach biblischem Vorbild?
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Zunächst einmal: In der Bibel stehen Lebensgeschichten im Vordergrund. Die Bücher heißen nicht systematisch: „Lehre der Errettung“, „Pneumatologie“ und „Anthropologie“. Stattdessen heißen sie „Mose“, „Josua“, „Ruth“ im Alten Testament oder „Markus“, „Matthäus“ und „Lukas“ im Neuen Testament. Dahinter steckt aber mehr, denn auch in diesen Büchern werden Geschichten von Menschen und ihrem Leben erzählt.

Es ist erstaunlich, aber in der Bibel gibt es kaum gute Vorbilder der Erziehung. Und das, obwohl viele doch große Glaubensväter sind. Denken wir nur an Jakobs Kinder, die ihren Bruder erst töten wollen und dann als Sklaven verkaufen. Noahs Sohn Ham schädigt bewusst den Ruf seines Vaters. Bei den Kindern von Abrahams, dem Held des Glaubens, sieht es nicht besser aus. Und Isaaks Kinder? Der eine verkauft sein Erstgeburtsrecht für eine Suppe, der andere betrügt seinen Vater. Die Glaubensväter und Helden in der Bibel hatten fast immer schwierige Familienverhältnisse. Die Bibel beschönigt und idealisiert sie nicht. Auch Davids Kinder, der als Mann nach dem Herzen Gottes gepriesen wird, haben große Probleme und versuchen ihn sogar zu töten. Und selbst in Jesus‘ Familie lief nicht alles perfekt.

Wer also eine christliche Familie nach der biblischem Vorbild erleben will, muss auf Katastrophen gefasst sein. Das macht christlichen Eltern Mut und befreit von dem Druck, es mit ihren Kindern hinzubekommen. Und doch können wir uns nicht zurücklehnen. Oft sind es in der Bibel grade die Eltern, durch deren Fehlverhalten auch die Kinder zu Fall kommen. Wir haben als Christen einen Auftrag, unser Familienklima zu gestalten. Aus Fehlern anderer können wir lernen. Der Heilige Geist hilft uns dabei. Und doch werden wir uns Fehltritte leisten und können uns nicht auf die Schulter klopfen, wenn aus unseren Kindern etwas wird. Es liegt nicht an uns, wenn unsere Kinder am Ende ihren Weg gerade gehen.

Explizite Aussagen

Biblische Texte, wie die Mosebücher oder die Sprüche Salomos, enthalten klare Aufforderungen zur elterlichen Sorge für Kinder. Gleichzeitig ist vieles in unserer Zeit anders. Und doch können die Bedeutung nicht einfach abschwächen oder relativieren, sondern müssen sie auf unsere Zeit übertragen.
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Es ist schwierig, die zeitlose Bedeutung der Texte von ihrer zeitlichen Gestalt zu unterscheiden. Aber das darf und nicht davon abhalten, uns auf diese Texte einzulassen. Gott spricht durch sie zu uns auf besondere Weise ganz persönlich, auch wenn wir ihren tiefen Sinn nicht immer ganz verstehen. Je mehr wir in der Bibel forschen, desto mehr bekommen wir ein Gefühl für das, wie sie gemeint sind.

Einzelimpulse

Im Folgenden einige Entdeckungen, die ich in der Bibel über Erziehung gemacht habe.

David – Erziehung des Mannes nach Gottes Herzen

Es ist für mich tröstlich zu sehen, wie der Mann nach Gottes Herzen doch so kläglich versagt hat. Die Erziehung von König David, dem Mann nach Gottes Herzen, ist spannend. Eine ausführliche Analyse des biblischen Befundes. [mehr]

Gottes Erziehung im 4. Buch Mose

Kinder sollen nicht bloß Regeln befolgen, sondern verstehen. Eltern können zwingen. Ohne Einsicht verpufft der Effekt. Gott lässt seine Kinder Erfahrungen machen. [mehr]

Züchtigung und christliche Erziehung

Bibelstellen zur „Züchtigung“ haben zu kontroversen Diskussionen geführt und werden gerade von Skeptikern als Argument gegen biblische Aussagen über Erziehung angeführt. [mehr]

Zentrum und Basis christlicher Erziehung

Im Zentrum unserer Suche nach dem Kern christlicher Erziehung steht die Person Jesus Christus. Wenn Texte herausgegriffen werden ohne den Bezug zu seiner Person, ist diese Erziehung allenfalls biblisch, aber nicht christlich. Die christliche Erziehung deutet immer zentral auf Christus hin.

Die Bibel ist weder ein technisches, noch ein medizinisches Buch. Sie ist auch kein Erziehungsratgeber und enthält wenige direkte Ratschläge. Und doch lässt sich sehr viel daraus für Erziehung lernen. Insgesamt fällt auf, dass Gott anschauliche Beispiele und Vorbilder gegeben hat. Die Bücher heißen nicht „Lehre der Errettung“, „Christologie“ oder „Pneumatologie“. Sie ist nicht systematisch, wie es der moderne Mensch sich wünscht. Stattdessen gibt es die Bücher „Mose“, „Josua“, „Ruth“, „Jeremia“ im Alten Testament. Im Neuen Testament heißen sie „Markus“, „Johannes“, „Petrus“ oder „Jakobus“. Stets geht es um die Geschichte Gottes mit konkreten Menschen.

In der Bibel lernen wir von Menschen, die den Weg mit Gott vor uns gegangen sind. Wir beachten den historischen Kontext, betonen aber nicht die Unterschiede, bis sich jeglicher Anspruch der Texte an uns relativiert, sondern suchen nach Verbindungslinien zu Menschen, die ähnliche Situationen erlebt und Erfahrungen gemacht haben.

Hilfreich ist nicht nur die Bibel, sondern auch das Beobachten von Menschen. Aus diesen Erfahrungen gibt es nützliche Erkenntnisse, die in der Pädagogik und Psychologie systematisch reflektiert werden. Sie können für christliche Eltern hilfreich sein. Nicht alles passt für christliche Eltern. Als christlicher Pädagoge versuche ich zu filtern und zu verbinden.

  1. In Johannes 1,12 schreibt Johannes beispielsweise, dass diejenigen, die Jesus angenommen haben, das Recht haben, Gottes Kinder zu sein. Nicht jeder ist ein Kind Gottes und doch hat jeder das Recht, ein Kind Gottes zu sein. ↩︎