„Sie beweisen damit, dass des Gesetzes Werk in ihr Herz geschrieben ist; ihr Gewissen bezeugt es ihnen.“ (Römer 2,15)
Was, wenn wir unser Kind nicht zuerst als Herausforderung sehen, sondern als „Ebenbild Gottes“? Ja, es ist noch sichtbar. Gleichzeitig ist das Herz nicht mehr gut. Und doch ist der Heilige Geist dort am wirken. Was, wenn wir mit einer neuen Brille auf Erziehung blicken: als geistliches Mitwirken?

Kinder stärken: Ermutigen und Mitwirken im Alltag
Stellen Sie sich vor: Der Morgen beginnt ruhig, Sie liegen noch im Bett, und plötzlich durchbricht ein lautes Klirren die Stille. Herzklopfen! Sie eilen in die Küche und sehen: ein zerbrochenes Glas, ein verstörter kleiner Blick, ein umgekippter Hocker. Ihr Kind wollte nur helfen, Sie mit dem Frühstück überraschen, sie haben ihm aber auch schon oft verboten, alleine auf den kaputten Hocker zu klettern – und nun liegen Scherben am Boden. Zwischen dem Wunsch zu trösten und der Notwendigkeit, Grenzen zu setzen, ringt man um die richtigen Worte.
Das Herz des Kindes verstehen: Mehr als nur Regeln
Oft sehen wir schnell, was falsch läuft – sei es ein zerbrochenes Glas oder ein Streit unter Geschwistern. Bevor wir impulsiv reagieren, sollten wir beobachten, deuten und verstehen. Was wollten sie erreichen? Ging es darum Mama zu ärgern, oder hat es in seinem Übereifer seine eigenen Fähigkeiten überschätzt? Oft steckt hinter „Fehltritten“ der aufrichtige Wunsch, etwas Gutes zu tun, zu helfen, selbstständig zu sein und dazuzugehören.
Gott hat das Kind nach seinem Bild geschaffen – voller Würde und unglaublichem Potenzial zum Guten. Diese Gottebenbildlichkeit ist kein abstraktes Konzept, sondern wird sichtbar, wenn das Kind trösten oder mitmachen will. Es möchte die Ansprüche Erwachsener zufriedenstellen und hat einen Sinn dafür, was Richtig ist. Kinder wollen mitmachen, Verantwortung übernehmen und anderen Freude bereiten. Diese inneren Impulse sind kein Zufall; sie sind vielmehr die spürbare Handschrift Gottes in jedem Menschen.
Es ist seine Gnade, dass diese guten Anlagen auch nach dem Sündenfall noch sichtbar sind, auch wenn sie unter dem Schatten der Gefallenheit und schließlich des Todes stehen. Wir als Eltern dürfen diese guten Anlagen entdecken und stärken. Wir erkennen, wo der Heilige Geist geistliche Fragen anregt und zu unserem Kind spricht. Und wir machen mit bei dem, was Gott tut. Das setzt voraus, das Kind aufmerksam zu beobachten – welche Entwicklungen, Einstellungen oder Handlungen sind gut? Was wollen wir stärken?
Ermutigen, Zutrauen und Erfolge feiern
Wie können wir dieses von Gott in das Kind hineingelegt Potenzial im Alltag fördern und entfalten?
Ermutigung schenken: Sichern Sie Ihrem Kind Ihren Rückhalt zu, besonders wenn etwas nicht klappt oder es sich überfordert fühlt. Wie Gott Josua Mut zusprach, können auch wir unseren Kindern das Gefühl geben: „Ich bin bei dir, egal was passiert.“ Geben Sie ihnen den Mut, neue Dinge auszuprobieren, auch wenn dabei nicht immer alles perfekt läuft.
Herausfordern und Vertrauen schenken: Bieten Sie altersgerechte Aufgaben an, die Ihr Kind fordern, aber nicht überfordern. Lassen Sie es Spaghetti kochen, dem kleineren Geschwisterkind eine Geschichte vorlesen oder eine Ermutigungskarte basteln. Solche Aufgaben zeigen nicht nur Ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten, sondern fördern auch Kreativität und Verantwortungsbewusstsein. Kleine Missgeschicke dabei sind keine Rückschläge, sondern wertvolle Lernerfahrungen.
Gezielte Hilfestellung geben: Seien Sie da, wenn Ihr Kind wirklich Unterstützung braucht, aber nehmen Sie ihm nicht Aufgaben ab, die es alleine bewältigen könnte. Es soll schließlich an Herausforderungen wachsen. Manchmal ist ein kleiner Anstoß oder eine beratende Hand genau das Richtige, um den nächsten Schritt zu ermöglichen.
Lob und Anerkennung richtig einsetzen: Loben Sie nicht nur das Ergebnis, sondern vor allem die Mühe und den Einsatz. Statt einem allgemeinen „Toll!“, versuchen Sie spezifisches Lob: „Der Himmel auf deinem Bild ist so farbenfroh!“ oder „Du hast dir wirklich viel Mühe gegeben, die Bausteine so hoch zu stapeln!“ Dies zeigt Ihrem Kind, dass Sie seine Anstrengung sehen und würdigen, und fördert eine intrinsische Motivation, statt nur nach äußerer Bestätigung zu streben.
Bei alldem brauchen wir eine Fehlertoleranz. Es ist in Ordnung, wenn das Kind im Supermarkt mithilft und die falsche Milch bringt. Wir gönnen ihm den Erfolg, anstatt es ständig zu korrigieren. Beim nächsten Mal lernen wir dazu und beschreiben die Farbe genauer – und ob sie nun im Kühlregal steht oder nicht.
Der Blick auf das Positive: Erziehung als Mitwirken
Im Alltag neigen wir dazu, uns auf negative Verhaltensweisen zu konzentrieren. Doch Erziehung ist nicht nur ein Gegenwirken gegen Unerwünschtes, sondern vor allem ein aktives Mitwirken an der Entfaltung des Guten. Ein bewusster Blick auf Fortschritte und gelingende Momente – auch die kleinen – kann eine Abwärtsspirale durchbrechen und den Fokus auf das Positive lenken.
Fragen zur Reflexion für Ihren Alltag:
Welche positiven Gaben und Eigenschaften hat Gott meinem Kind gegeben, die ich vielleicht manchmal übersehe?
In welchen Situationen fällt es mir leicht, mein Kind als Ebenbild Gottes zu sehen und ihm wohlwollend zu begegnen?
Welche Fragen und Impulse regt Gott an und wie kann ich mein Kind unterstützen, dem Raum zu geben? Wie kann ich Raum im Alltag meines Kindes schaffen, damit Gottes Reden nicht untergeht?
Wo kann ich meinem Kind heute ganz konkret Mitwirkung ermöglichen und dabei kleine „Missgeschicke“ als lohnende Investition in seine Entwicklung betrachten?
Weiterlesen: Die Theorie hinter der Praxis
Gott hat uns nach seinem Bild geschaffen. Das ist die Grundlage, nach dem Guten zu suchen, das inmitten der Gefallenheit des Menschen und der Schöpfung hindurchscheint. Das kleine Pflänzchen gilt es zu hegen, zu pflegen und zu fördern.

Unterstützende Erziehungsmaßnahmen haben zu Ziel, ein Verhalten und gute Entwicklungen unserer Kinder zu stärken. Dazu wird das Verhalten des Kindes aufmerksam beobachtet und beurteilt. Auf dieser Basis werden Maßnahmen ergriffen.
Ganz oft wollen Kinder helfen, trösten und mitmachen. Gott hat diesen Wunsch in sie hineingelegt. Wir sehen Gottes Handeln und wir machen mit. Wir merken, wenn der Heilige Geist das Denken unserer Kinder anregt und wir gehen auf ihre Fragen ein.
Eltern sehen, wo Gott in ihrem Kind am Wirken ist und machen mit. Sie freuen sich mit, wenn das Kind die ersten Worte spricht oder Schritte macht. Gott hat auch dieses Entwicklungsprogramm in sie hineingelegt. Eltern loben das Kind, wenn es ihnen eine Freude und erste Geschenke macht. Sie unterstützen es, wenn es das von Gott in sie gelegte Potenzial oder Hobbies für sich entdeckt. Wenn ihre Kinder nach Gottes Willen forschen und verstehen wollen, machen sie mit und freuen sich. Nicht alles wird unterstützt und doch geht es darum, diese Ansätze des Wirkens Gottes an und in unseren Kindern zu sehen. Mitwirkende Erziehungsmittel sind beispielsweise:
Zutrauen
Wir geben unseren Kindern eine Aufgabe um ihnen zu zeigen, dass wir es ihnen zutrauen. Das kann das Einräumen der Spülmaschine oder das Suchen der Milch im Supermarkt sein. Und dann halten wir unseren Perfektionismus zurück. Wenn die Kinder die falsche Milch bringen? Dann trinken wir eben die fettarme Version und beschreiben sie beim nächsten Mal genauer, damit das Kind dazulernt („Die dunkelblaue aus dem Kühlregal“). Bis dahin nehmen wir genau diese Milch trotzdem freudig in Empfang. Und wenn etwas runterfällt, während es auf das Kassenband befördert wird? Oder das Geschirr beim Decken auf dem Boden landet? Das Kind ist selbst frustriert, da braucht es keine Moralpredigt. Der zerbrochene Teller ist nicht schlimm. Die Lernerfahrung meiner Kinder ist es mir wert.
Anerkennen von Fortschritten
Das Anerkennen von Fortschritten. Wir benennen den Erfolg unserer Kinder, die nach langem Ausprobieren endlich ihre Jacke anziehen können oder selbst daran denken, sich die Zähne zu putzen. Wir schauen nicht danach, was das Kind im Vergleich zu anderen kann, sondern was es seit gestern dazugelernt hat.
Lob
Auch durch Lob wird das Kind motiviert, etwas Gutes zu wiederholen. Allerdings ist eine Inflation des Lobs wiederum kontraproduktiv. Es besteht auch die Gefahr, dass das Kind lernt, sich nicht an der Sache und dem Erfolg selbst zu freuen, sondern auf das Lob Erziehender fixiert ist. Dabei ist es oft das Tun und die Leistung selbst, die befriedigend wirkt. Wichtig beim Lob ist es, nicht nur das Ergebnis, sondern den Prozess zu sehen. Das Kind verdient Lob für die Anstrengung. „Es ist so toll, dass du intelligent bist“ ist kein Lob, sondern ein Kompliment. Weiterhin sollte das Lob spezifisch sein. Statt zu dem gemalten Bild „Toll“ zu sagen ist es besser, Details zu würdigen. Wer sagt: „Der Himmel ist so farbenfroh“ oder „Das Haus hat so klare Konturen“ zeigt nicht nur, dass er sich das Werk angeschaut hat, sondern gibt dem Kind auch einen Hinweis, was es wiederholt. Wer einfach nur jede Werk pauschal in den Himmel lobt, fördert grenzenlose Selbstüberschätzung, aber kein Weiterkommen. Oft reicht es schon, die Details zu benennen, ohne sie explizit zu „loben“, damit das Kind strahlt.
Belohnung
Belohnung ist eine materielle Form der Verstärkung. Das Kind hat geholfen das Haus zu putzen und weil das so schnell ging, gehen wir eine Kugel Eis essen. Die Gefahr ist die gleiche, wie beim Lob: Das Kind könnte sich auf die Belohnung fixieren und in Zukunft nur noch dann helfen, wenn es belohnt wird. Es ist ein schmaler Grad zwischen dem Motivieren und dem Überlagern intrinsischer Motivation. Die Chance ist, dass die Belohnung als Anerkennung wirkt. Da jedes Kind anders ist, gibt es keine pauschalen Regeln, weniger – also eine kleinere Belohnung – ist in der Regel langfristig mehr.
Erfolg
Schließlich können Erfolge arrangiert werden. Das Kind kann eine herausfordernde, aber machbare, Aufgabe bekommen. Es bekommt die notwendige, aber nicht zu starke Unterstützung. Misserfolge werden nicht bestraft und Erfolge gefeiert.
Die Liste unterstützender Erziehungsmaßnahmen kann fortgesetzt werden. Auch sind die Maßnahmen nicht konkurrierend, sondern ergänzen sich. Im Alltag werden positive Verhaltensweisen oft übersehen. Wenn der Blick Erziehender lediglich auf negativem Verhalten liegt, kann dies auch dazu führen, dass das Kind gezielt nach negativer Aufmerksamkeit sucht. Aber auch falls das nicht eintritt, werden Lernchancen vergeudet.
Weder Mitwirken, noch Gegenwirken reichen als alleinige Erziehungsmittel aus. Gewohnheiten helfen und unser Vorbild sind zentral, aber auch sie sind nicht die einzigen Maßnahmen. Es gibt eine ganze Reihe an Erziehungswerkzeugen, die wir Eltern entdecken und einsetzen können.
