Gewohnheiten

Kinder sehnen sich nach einem festen Anker, der sie durch die Stürme des Lebens führt. Gewohnheiten geben ihnen dabei Sicherheit und Geborgenheit. Von hier aus beginnen sie ihre Abenteuer- und Entdeckungsreisen.

Kleine Kinder werden von Eltern an regelmäßige Schlaf- und Essenzeiten gewöhnt, Einschlafrituale zeigen ihnen, dass die Welt auch nach einem aufregenden Tag in Ordnung ist. Selbst viele ältere Menschen brauchen Routinen und Halt inmitten des Trubels. In der Bibel spricht Salomo von der Gewöhnung in der Erziehung und gibt einen Ratschlag, der auch für christliche Eltern wichtig ist:

„Gewöhne das Kind an einen guten Weg, dann wird es auch nicht davon ablassen, wenn es alt wird.

Sprüche 22,6

Das hebräische Wort, das Salomo hier verwendet, bezieht sich auf die Gewöhnung eines Kindes an die Mutterbrust. Das Kind soll wissen, wo es Nahrung und Zuneigung bekommt. Dadurch hat es die Sicherheit, dass seine Grundbedürfnisse gestillt werden.

Bei der Gewöhnung wird Kindern ein fester Rahmen vorgegeben: Das gibt ihnen Sicherheit und Stabilität, gleichzeitig fügt sich das Kind in die soziale Gemeinschaft ein. Wiederkehrende wöchentliche oder tägliche Abläufe sowie Regeln im Elternhaus und im Kindergarten reduzieren Stress bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen.

Letztlich geht es bei der Gewöhnung in der Erziehung über Stufen um Einsicht und Verstehen

Letztlich geht es bei der Gewöhnung in der Erziehung über Stufen um Einsicht und Vernunft1. Ohne diese Einsicht wird ein Verhalten nicht nachhaltig verankert – zumindest, wenn das Kind erkennt, dass es auch anders geht und Alternativen entdeckt. Pestalozzi sieht darum im Stanzer Brief die drei Stufen in der „sittlichen Erziehung“ vor: (1) Nachahmung, (2) Gewöhnung und schließlich (3) Reflexion.

Gewöhnung im Erziehungsalltag

Im Kindergarten sind es oft Rituale, wie ein täglicher Morgenkreis, mit einer bestimmten Abfolge. Dazu gehören regelmäßige Uhrzeiten für das Frühstück oder Mittagessen. Eltern in Deutschland legen häufig viel Wert auf bestimmte Schlafenszeiten. Es werden keine Alternativen aufgezeigt und nicht hinterfragt, warum das warme Essen nicht mal morgens stattfindet und auf dem Mittagstisch kein Nutella steht. Alles das passiert beiläufig und ist eine Form der „indirekten“ Erziehung.

Kein Wunder gibt es auch in der Schule feste Stundenraster und wöchentlich wiederkehrende Abläufe. Das Kind gewinnt Selbstvertrauen, da es sich in der Welt sicher zurechtfindet. Die Eltern müssen nicht über jeden Ablauf neu diskutieren und ihn in Frage stellen. In unserer Familie gab es für unsere Kinder feste Abläufe am Abend: Essen, Zähne putzen, eine kurze Show und dann eine Geschichte vor dem Schlafen. Diese Abläufe mit festen Zeiten haben wir eingeführt, aber die Kinder haben auch angefangen, danach zu fragen. Später gab es eine feste Zeit für Hausaufgaben. Studien zeigen, dass sich Gewohnheiten auch für die psychische Gesundheit Erwachsener positiv auswirken.

Einiges würden wir heute sicher anders machen, anderes nicht. Gewohnheiten verfestigen sich und werden eingefordert. War die Tageszeit, in der unsere Kinder ihre Tablet-Spiele machen oder TV-Show schauen durften gut gewählt? War es überhaupt eine gute Gewohnheit? Macht es Sinn, eine tägliche Kaffeezeit einzuführen, um nicht zwischendurch ständig diskutieren zu müssen, ob es etwas Süßes gibt? Hätten wir vielleicht von Anfang an einen Bibelvers bei jedem Abendessen lesen können? Manches lässt sich später schwer ändern.

Gewohnheiten in der christlichen Erziehung

Menschen brauchen nicht möglichst viel Nahrung, sondern regelmäßig. Jesus vergleicht sich mit dem Brot des Lebens. Christen suchen täglich seine Nähe, lesen ein Wort und sprechen mit ihrem Vater. Es geht nicht um lange Zeiten der Stille, sondern um Regelmäßigkeit.

Innerhalb der Familie

Darum brauchen christliche Familien regelmäßige Gewohnheiten. Das sind zunächst Rituale innerhalb der Familie, die Sicherheit und Geborgenheit geben. Später, leider nicht von Anfang an, habe ich abends habe ich regelmäßig ein Kapitel aus der Bibel gelesen. Das ging selbst bei Teenagern noch. Meine Schlüsselerkenntnis war: Ich muss nichts „Kluges“ hinzufügen, keine Gedanken, keine Erklärungen. Bei anderen mag es anders sein. Für mich war es erleichternd zu wissen: Es braucht keine ermahnende oder auffordernde Predigt. Der Text spricht für sich. Oft habe ich kurz gebetet und darauf vertraut, dass die biblischen Texte selbst wirken. Da ich nun vier Kinder habe und es beim vierten Kind echt anstrengend ist, noch einmal etwas zu lesen, habe ich der 8-jährigen die Texte vom Smartphone aus einer modernen Übersetzung von der Bibel-App (hier für Apple) vorlesen lassen. Sie fand es spannender als jede Kinderbibel und so haben wir ganze Bücher – wie 2. Mose und 1. Samuel – so gelesen, teilweise mehrere Kapitel am Stück. Die Geschichten wirken gerade dadurch, dass ich sie nicht auf wenige Verse reduziere oder sie im Anschluss zerrede.

Über die Familie hinaus

Weiterhin geht es um regelmäßige Gewohnheiten über die Familie hinaus. Es geht darum, dass Kinder Jesus kennenlernen, und das geschieht zunächst durch den täglichen Umgang mit christlichen Eltern und anderen Bezugspersonen – den Botschaftern Christi. Die besondere Gegenwart Jesu ist aber ganz besonders auch christlicher Gemeinschaft versprochen. Wenn Familien nur gelegentlich Gottesdienste oder gemeindliche Veranstaltungen teilnehmen, wird es kräftezehrend, dranzubleiben. Gemeindeveranstaltungen werden ständig mit anderen Aktivitäten konkurrieren und schnell als Belastung empfunden. Darum braucht christliche Gemeinschaft und Gemeindeveranstaltungen brauchen im Wochenablauf, genauso wie Glaubensgespräche in der Familie, einen festen Platz.

Fazit zur Gewöhnung in der Erziehung

Christliche Eltern möchten ihre Kinder in den christlichen Glauben einführen. Dazu brauchen sie auch als christliche Familien regelmäßige Gewohnheiten. Regelmäßigkeit und Stabilität geben dem Kind Sicherheit und Geborgenheit.

Christsein ist mehr als Gewöhnung. Der persönliche Glaube kann nicht erzwungen werden. Und doch wächst er auf der Basis des Wortes und der Begegnung mit Jesus. Beides ist der Nährboden, auf dem der Same aufgehen kann. Das Kind weiß, wo der geistliche Hunger gestillt wird.

Sportverein, Musikschule oder schulische Aufgaben – all dem räumen wir wöchentlich einen oder mehrere Plätze ein. Ist und der Glaube unserer Kinder nicht noch wichtiger?Manchmal macht es Spaß, ein anderes Mal nicht. Und doch entscheiden wir nicht Woche für Woche, ob der Klavierunterricht, den wir bezahlen, nun in Anspruch genommen wird oder nicht. Es braucht Regelmäßigkeiten, feste Strukturen und Prioritäten. Wenn das Gebet und Bibellesen keinen festen Platz im Tagesablauf bekommt, wird es nicht zur Gewohnheit.

Solange wir unseren Kindern von Jesus erzählen und sie dorthin mitnehmen können, wo Menschen Jesus begegnen, wollen wir das tun. Wir suchen wöchentlich Gottesdienste und Treffen auf, in denen sie Jesus und seine Nachfolger kennenlernen. Wenn die Termine zu viele werden, fällt vielleicht der Klavierunterricht weg. Und wenn es mit unseren Kindern in unserer Gemeinde – warum auch immer – gar nicht funktioniert, dann ist es dran eine Gemeinde zu suchen. Klar ist dabei aber auch: Es gibt nicht die perfekte Gemeinde. Als christliche Eltern suchen wir aber einen Ort, der unsere Kinder stärkt – auch wenn die Lehre uns nicht 100% entspricht, unsere Bedürfnisse zurücktreten müssen und wir weit fahren müssen. Es geht schließlich um unsere Kinder.

  1. https://www.ciando.com/img/books/extract/3779942097_lp.pdf ↩︎