Sensible Phasen

Sensible Phasen in der Entwicklung sind Lernfenster, in denen Kinder besonders empfänglich für das Lernen in einem bestimmten Bereich sind. Werden diese Phasen genutzt, fällt es ihnen besonders leicht, sich etwas anzueignen.

Grundlage dieser sensiblen Phasen ist die Gehirnentwicklung. In verschiedenen Phasen bilden sich Synapsen in entsprechenden Gehirnarealen besonders leicht und schnell. Verpassen Kinder diese Lernphase verpasst, fällt das Lernen schwerer.

Ein Kind schnappt in wenigen Lebensmonaten zahlreiche Wörter auf. Nach dem zehnten Lebensjahr müssen Kinder Vokabeln mühsam lernen. Wenn Kinder dann eine neue Fremdsprache erlernen, werden sie diese mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Leben lang nur mit einem Akzent sprechen. Für die motorische Entwicklung geht die sensible Phase bis zum vierten Lebensjahr. Ist das Kind in seinen Bewegungen bis dahin eingeschränkt, werden die Abläufe holprig und ungeschickt sein. Da hilft auch das Vorschulturnen nicht mehr viel.

Schlussfolgerungen

Und welche Schlussfolgerungen lassen sich nun für Eltern daraus ziehen? Der Englischkurs im Kindergarten oder die Sportschule für zweijährige? Grade das sind nicht die Lösungen. Die Einbettung in Sprache, viele Gespräche, Vorlesen und Zuhören im Alltag sind deutlich besser, als einzelne Worte zu trainieren. In der Fachsprache spricht man von einem Sprachbad. Das Wohnzimmer zu einer Bewegungslandschaft mit Stufen, Podesten, Matratzen und Schaukelelementen umzubauen oder viel im Garten zu spielen sind effektiver als das Kinderturnen, in dem der Purzelbaum in Perfektion eingeübt wird. Es geht also um viel Anregung in dem sensiblen Bereich, die nicht zu eng geführt wird. Oft passiert das durch die Gestaltung des Raumes oder die Bereitstellung von Material, aber auch soziale Beziehungen sind wichtig.

Leider sind da die Ängste von Eltern grade bei der Bewegung manchmal groß, wenn es sich das erste Mal im Krabbeln oder Laufen fortbewegt. Das Kind könnte sich an der einen Stufe schließlich den Kopf anschlagen oder vom Kletterelement auf dem Spielplatz ins Gras fallen. Viele Eltern warnen ihr Kind darum schnell, reden ihm ein, dass es noch zu klein sei und fühlen sich bestätigt, wenn das Kleinkind heruntergefallen ist – anstatt sich über den Versuch zu freuen und das Kind zu bestätigen, dass fallen nicht schlimm ist.

Das Fatale daran ist: Wenn das Kind dann im Kindergartenalter ist, ermutigen Eltern ihre Kinder oft, es doch zu probieren. Aber zum einen ist die sensible Phase dann weitgehend abgeschlossen. Kinder werden zwar auch dann noch viele neue Bewegungsformen lernen, aber sie bleiben oft holprig. Zum anderen haben sie die Vorsicht entweder verinnerlicht und unterschätzen sich, oder sie haben gemerkt, dass sie viel mehr können als die Eltern ihnen zutrauen und überschätzen sich. Ihre natürlichen Grenzen konnten sie nicht kennenlernen.

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